News
Wahlkurs „CampusAckerdemie“: Erkenntnisse aus dem Gemüsegarten des Green Campus Pasing
Ein Semester praxisorientierten Lernens über Ernährungssysteme hat bei den Studierenden einen anderen Blick auf die Natur geschaffen!
09/07/2026
Der interdisziplinäre Wahlkurs „CampusAckerdemie“, der gemeinsam von der HM Business School und der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften entwickelt wurde, hat sein erstes Semester im Studienjahr 2026 erfolgreich abgeschlossen. Der Kurs untersuchte das Ernährungssystem aus sozialer, ökonomischer und ökologischer Perspektive und verfolgte ein ambitioniertes Ziel: den Studierenden die grundlegenden Zusammenhänge dieser Dimensionen unmittelbar erfahrbar zu machen. Sie planten und bepflanzten einen Gemüsegarten, säten Samen und Jungpflanzen aus und erforschten Pflanzenlebenszyklen sowie Mischkulturen.
Die zentrale Prämisse des Kurses ist, dass das Soziale, das Ökonomische und das Ökologische nicht unabhängig voneinander existieren, sondern ein integriertes System bilden. Durch diese Aktivitäten entwickelten die Studierenden ein tieferes Verständnis für die Beziehung zwischen Mensch, Ernährung und Umwelt.
Im Laufe des Semesters wechselten die Studierenden von der Theorie zur praktischen Anwendung im Boden und schließlich zu ihren eigenen Projekten, die sie in Seminaren und praktischen Feldarbeiten auf dem Campus Pasing und im Magdalenagarten erarbeiteten. Der Kurs, der sich an vier ökologischen Schwerpunkten orientierte, – Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, Bodengesundheit und ökologische Landwirtschaft – verband angeleitete Gartenarbeit mit der Vermittlung von Kenntnissen über nachhaltige Geschäftsmodelle, Sozialtheorie und systemisches Denken.
Studierende, die zu Beginn des Semesters wenig Ahnung davon hatten, was sich unter einem Gemüsebeet abspielt, erkannten am Ende, dass Boden, Unkraut, Insekten, Bestäuber und Wetter unter anderem voneinander abhängige Elemente eines lebenden Systems sind, das sie nun wahrzunehmen, zu schätzen und zu verstehen lernten, anstatt es einfach zu übersehen.
Das Vorbereiten von Gartenbeeten, das Beobachten der Schichtung einer Bodenprobe im Wasserglas, das Kennenlernen des Bestäubungsprozesses oder die Herstellung von Naturdünger aus Brennnesseln verwandelten abstrakte Vorstellungen von Nachhaltigkeit in greifbare Erfahrungen.
Die Saison hat bisher drei Ernten hervorgebracht, jede mit ihrem eigenen Charakter. Eine vierte ist für September 2026 geplant.
Als Semesterabschlussprojekte entwickelten und präsentierten die Studierenden originelle Konzepte zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen, zur Einbindung junger Menschen, zum Dialog zwischen den Generationen, zum Zugang zu gesunden Lebensmitteln in ländlichen Gemeinden, zur Inklusion und zur öffentlichen Gesundheit. Es handelte sich dabei nicht um hypothetische Fallstudien, sondern um praxisorientierte Konzepte mit jeweils klar definierter Zielgruppe, Finanzierungsmodell und Umsetzungsstrategie. Basierend auf Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und Geschäftsmodellen sowie Theorien der Sozialen Arbeit zeigten die Projekte, wie sich Ernährungs- und Umweltbildung in Verbindung mit wirtschaftlich tragfähigen Systemen in die Jugendarbeit, die Altenpflege und die Gemeinwesenarbeit weit über die Universität hinaus integrieren lässt.
Die studentischen Präsentationen spiegelten insbesondere den interdisziplinären Charakter des Kurses wider. Zu ihren Projekten gehören ein begleitetes Gemüseanbauprogramm für eine psychiatrische Tagesstätte, ein generationsübergreifender Garten, der Studierende und Bewohner eines Seniorenheims verbindet, eine Ausbildung in sozialer Landwirtschaft für junge Menschen mit eingeschränktem Zugang zu beruflicher Bildung, die die ökologische Landwirtschaft von politischen Bewegungen zurückgewinnt, ein Lebensmittelkonzept, das auf überschüssigen Lebensmitteln basiert und einen Teil der jährlich in Deutschland anfallenden rund elf Millionen Tonnen Lebensmittelverschwendung thematisiert sowie eine Systemanalyse, die ernährungsbedingte Krankheiten auf die moderne Konsumkultur und die Ökonomie der Monokultur zurückführt.
Das wohl deutlichste Zeichen für die Wirkung des Kurses liegt außerhalb des Hörsaals. Ein Garten gedeiht nicht mit einem Seminar pro Woche, er braucht regelmäßige Pflege während der gesamten Wachstumsperiode. Die Studierenden kommen weiterhin freiwillig und wechseln sich beim Gießen und Pflegen des Gartenbeets ab. Mehrere Gruppen berichteten, dass der Kurs bereits vor Semesterende ihre Gewohnheiten und Sichtweisen verändert habe, und ihr anhaltendes Engagement spiegelt diese Entwicklung wider. Ihr Engagement wird nicht durch Prüfungen oder Noten angetrieben, sondern durch die Freude, die von ihnen gepflanzten Pflanzen wachsen zu sehen.