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Neuer Wahlkurs „CampusAckerdemie“: Lebensmittel anbauen und Systemisches Denken lernen
Pflanze. Ernte. Verstehe. Verändere. Die HMBS und FK11 führen einen neuen Kurs ein, der den Gemüseanbau auf dem Campus Pasing etabliert.
16/04/2026
Im Sommersemester 2026 wird der neue Wahlkurs „CampusAckerdemie – Gemüseanbau als pädagogische Aufgabe und Nachhaltige Ernährungswirtschaft“ in Kooperation zwischen der HM Business School und der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften angeboten. Erstmals wird im Rahmen dieses Kurses der nachhaltige Gemüseanbau auf dem Campus Pasing durch akademisches Lernen mit praktischer Erfahrung verbunden.
Der Kurs ist Teil der Initiative des Green Campus Pasing und in das umfassendere ÖKOPROFIT-Konzept eingebettet. Er spiegelt das kontinuierliche Engagement der HM wider, Umweltverantwortung in das gesamte Campusleben zu integrieren. Dank der Förderung durch das Förderprogramm Lehrinnovation der HM kann mit dem Kurs eine mehrjährige Zusammenarbeit mit Acker e.V. begonnen werden. So wird es möglich, die multidisziplinären Kompetenzen längerfristig in den Lehrplan mehrerer Studiengänge am Campus einzubinden.
Mit dem Programm einer CampusAckerdemie kombiniert der Kurs nachhaltige Feldarbeit im Freien mit Seminarsitzungen, die sich um die Kernthemen drehen: Kreislaufwirtschaft, Whole Institution Approach und die Einbindung von Gartenprojekten in pädagogische Institutionen, Biodiversität, Bodengesundheit und ökologische Landwirtschaft.
Praktische Gartenaktivitäten finden sowohl auf dem Pasing Campus als auch im nahegelegenen Magdalenenpark, einem ehemaligen Klostergarten, statt, der heute dem BUND München West gehört und als Biodiversitätsstandort gestaltet wird. Durch die Mitwirkung und Kooperation mit dem BUND kann die Lehre so mit einem der aktivsten urbanen Naturprojekte Münchens verknüpft werden.
Die Hintergründe des Kurses: Warum sind Ernährungssysteme wichtig?
Ernährungssysteme stellen nicht nur eine wirtschaftliche oder ökologische Herausforderung dar; sie prägen auch zutiefst die Art und Weise, wie Menschen leben, Zugang zu Ressourcen erhalten und Ungleichheit erfahren. Um dies anzuerkennen, muss man über rein technische Ansätze zur Nachhaltigkeit hinausgehen und sich mit den sozialen Dimensionen der Produktion, Verteilung und des Konsums von Lebensmitteln auseinandersetzen.
Diese Perspektive steht im Mittelpunkt der Kursgestaltung. Beatriz Hoffmann Kuhnt (HMBS) promoviert zur Kreislaufwirtschaft und bringt ökonomisch-ökologische Kernthemen in den Kurs ein. Prof. Dr. Angelika Iser (FK11) vertritt seit langem die Auffassung, dass Soziale Arbeit und Nachhaltigkeit gemeinsam betrachtet werden müssen und dass die Fürsorge für Menschen und die Fürsorge für die belebte Welt weder in der Theorie noch in der Praxis voneinander getrennt werden können. Martin Hänsel (BUND und Förster) und Katharina Ullrich (Acker e.V.) sind Experte und Expertin für nachhaltigen Gemüse- und Landschaftsanbau.
Dementsprechend werden die Kernthemen unter ihren sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten beleuchtet und können kritisch reflektiert werden. Abstrakte Konzepte können so mit Fragen verknüpft werden, die Studierende in ihrem Alltag betreffen: Woher kommen unsere Lebensmittel? Welche Verantwortung tragen wir als Konsumenten? Was geschieht bei Ressourcenverschwendung? Und wie können wir dazu beitragen, nachhaltigere und gerechtere Alternativen zu gestalten? Welche Rolle spielen wir als Einzelpersonen dabei?
Zwei Disziplinen, ein Campus
Das Verständnis von Nahrungsmitteln – woher sie kommen, was für ihren Anbau nötig ist und was mit ihnen geschieht, bevor sie verzehrt werden – bietet einen überraschend direkten Zugang zu viel größeren Fragen über die Organisation von Gesellschaften.
Genau hier treffen die Perspektiven der Sozialwissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre aufeinander. Jede Disziplin bringt eine andere Sichtweise ein: Die eine konzentriert sich auf soziale Strukturen, Verhalten und Ungleichheit, die andere auf Märkte, Wertschöpfung und Organisationsgestaltung. Erst im Schnittpunkt dieser Perspektiven lassen sich Ernährungssysteme umfassender verstehen.
Das Konzept der Kreislaufwirtschaft, eines der Kernthemen des Kurses, liegt genau an dieser Schnittstelle. Es verknüpft ökologisches Denken mit ökonomischem Design und fordert die Studierenden dazu auf, zu überlegen, wie Ressourcen innerhalb bestehender Systeme anders genutzt, wiederverwendet und bewertet werden können.
Das Besondere an diesem Lernprozess ist, dass er nicht auf den Seminarraum beschränkt bleibt. Der Garten wird zu einem Ort, an dem Beobachtung, Reflexion und Handeln zusammenkommen und den Studierenden ein tieferes Verständnis der Funktionsweise von Ernährungssystemen ermöglichen.
Dies wird besonders deutlich, wenn man die Realität betrachtet. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Drittel der in deutschen Haushalten gekauften Lebensmittel weggeworfen wird, statt verzehrt zu werden. Durch die Erfahrung des Zeitaufwands, der Sorgfalt und der Ressourcen, die für den Anbau von Lebensmitteln erforderlich sind, haben die Studierenden die Möglichkeit, ihre eigenen Gewohnheiten, ihr Bewusstsein und die oft verborgenen ökologischen und sozialen Kosten innerhalb von Lebensmittelsystemen zu reflektieren und die Bedeutung solcher Statistiken zu erfassen.
Was das Beet bereits lehrt
Nachdem die Parzellen für die erste Bepflanzung vorbereitet wurden, beginnt das Feld bereits Wirkung zu entfalten. Schon in der Anfangsphase wird durch das Engagement der Studierenden deutlich, dass die Gartenarbeit ihre Aufmerksamkeit lenkt. Was sonst unbemerkt bliebe, tritt in den Vordergrund: Insekten und Würmer, die sich im Boden bewegen, Unterschiede im Wachstum und im Konkurrenzkampf der Pflanzen oder die sich verändernden Bodenverhältnisse.
Die ersten Einheiten konzentrierten sich auf die Biodiversität und die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die durch Beobachtung und praktische Übungen erfahrbar werden. Die Studierenden werden dazu angeregt, die Anwesenheit von Tieren in der Stadt und ihre Rolle als Teil eines gemeinsamen urbanen Ökosystems bewusster wahrzunehmen.
Dieses wachsende Bewusstsein beschränkt sich nicht auf die Grenzen des Gartens. Es erstreckt sich auf das städtische Umfeld, in dem die Studierenden beginnen, ähnliche Muster zu erkennen. Die Rückkehr der Wildtiere in die Stadt wird zu mehr als nur einer interessanten Beobachtung; sie verdeutlicht, wie menschliche Aktivitäten den Lebensraum anderer Lebensformen prägen.
Erste Aufmerksamkeit entsteht für das, was man nicht so leicht sieht: die Organismen im Boden, die das Pflanzenwachstum ermöglichen, die Vielfalt der Pflanzenarten, die das ökologische Gleichgewicht erhalten. Die Studierenden werden ermutigt, das oft Übersehene wahrzunehmen und darüber nachzudenken.
Das Feld entwickelt sich so zu mehr als einem Ort zum Gemüseanbau. Es wird zum Ort, an dem Studierende beginnen, ihre Beobachtungen und Tätigkeiten mit übergreifenden Fragen zu Ernährungssystemen, ökologischer Gesundheit und alltäglichen Gewohnheiten zu verknüpfen.
Ein besonderer Dank gilt Vizepräsident Klaus Kreulich und den Dekanen Prof. Dr. Markus Wessler und Prof. Dr. Stefan Pohlmann für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieses Projekts und für ihr Engagement bei der Förderung der interdisziplinären Lehre an der HM.